DFG-Einzelprojekt (Eigene Stelle): Oltre Freud?

Zur Traumästhetik der literarischen Moderne in Italien: Italo Svevo, Federigo Tozzi, Carlo Emilio Gadda (DFG GU 1066/1-2).

Das Projekt verfolgt zwei chiastische Perspektiven: Es soll einen Blick auf die Entwicklung des psychophysiologischen Traumwissens im 19. und frühen 20. Jahrhundert ebenso möglich machen wie einen Blick auf die Genealogie und das Potential der ästhetischen Verfahren der italienischen Moderne. Im Zentrum stehen die Prosatexte von Italo Svevo, Federigo Tozzi und Carlo Emilio Gadda sowie psychiatrische, philosophische, psychologische und physiologische Schriften zu Schlaf und Traum. Aufgrund der stark verzögerten Freudrezeption in Italien scheint hier ein spezifisches Spannungsverhältnis zwischen der somatischen Traumforschung eines Sante de Sanctis auf der einen und der scheinbar „freudianischen“ literarischen Auseinandersetzung mit dem Traum auf der anderen Seite zu herrschen. Gerade die Aufarbeitung des psychophysiologischen Traumwissens der Zeit aber erlaubt es, den Traumbegriff der genannten Autoren historisch „jenseits von Freud“ zu bestimmen und schafft somit erst die Grundlage für eine Analyse ihrer Traumästhetik. Ausgehend von der zentralen Rolle, die der Traum als Motiv, Topos und Erzählmodell bei Autoren wie Svevo, Tozzi und Gadda spielt, bei Autoren also, die in ihrer poetischen Reflexion von einem mimetisch-referentiellen Literaturbegriff Abstand nehmen und an der Entwicklung einer ‚scrittura moderna’ arbeiten, untersucht das Projekt die Frage, ob und wenn ja wie die Verfahren der Traumaufzeichnung in der literarischen Moderne in Italien zu einem Modell anti-mimetischer Schreibweisen werden.

Im Kontext des Projekts steht der Aufbau eines internationalen wissenschaftlichen Netzwerks zur Auseinandersetzung mit dem Traum als einem kulturellen Phänomen, vgl. dazu http://www.culturaldreamstudies.eu.