VW-Dilthey-Fellowship

»Szenen des Subjekts. Kulturgeschichte der Theatrotherapie um 1800–1900–1970/2000« (Dr. Céline Kaiser)

Im Rahmen des Forschungsprojektes wird die Bandbreite szenischer Interventionen in der Geschichte der Psychotherapie seit dem 18. Jahrhundert ausgelotet und eine Typologie theatrotherapeutischer Szenen entworfen.
Zentraler Untersuchungsgegenstand sind psychiatrische und psychotherapeutische Quellen um 1800, 1900 wie auch seit 1970. Dennoch ist es weniger das Anliegen des Forschungsprojektes, eine medizinhistorische als vielmehr eine medienkulturwissenschaftliche Sicht auf die Geschichte der szenischen Intervention in der Moderne zu entwickeln.
Das Forschungsprojekt geht davon aus, dass es grundsätzlich die Aufgabe von Theatro-therapie ist, Subjektivität wieder herzustellen. Wenngleich die Prozeduren und Zielsetzungen dieser Wiederherstellung historisch differieren, so kann man doch sagen, dass für alle theatertherapeutischen Ansätze der situative, ereignishafte Charakter der therapeutischen Szene einen hohen Stellenwert besitzt. In und durch den Einsatz szenischer Mittel soll etwas sichtbar gemacht, eine spezifische therapeutische Evidenz erzeugt werden, die es dem Patienten ermöglichen soll, innerhalb des therapeutischen Raums zu sich selbst und anderen in ein verändertes Verhältnis zu treten.
Theatrotherapie formiert einen medialen Raum, in dem die Beobachtungs- und Zugriffsmöglichkeiten der am theatertherapeutischen Prozess Beteiligten geregelt werden. Insofern konstituiert sie Subjektpositionen und die mit diesen verbundenen Beobachtungschancen und Handlungsoptionen.