Prof. Dr. Manfred Eikelmann» Nachwuchsprojekte

Nachwuchsprojekte

laufende Projekte

Dr. Daniel Pachurka

Habilitationsprojekt 'Das Verhältnis von Walther von der Vogelweide zur zeitgenössischen lateinischen Literatur'

Es ist davon auszugehen, dass die lateinische Literatur als größte Literatur im vormodernen Europa auf Walthers Texte eine Wirkung ausübte und umgekehrt. Für die politischen Sangsprüche Walthers auf der einen Seite und lateinische politische Gedichte auf der anderen geht Franz Josef Worstbrock davon aus, dass sie zwei getrennten Sphären angehören, die „zu Konstellationen und Kontexten literarischen Lebens zusammen[treten]“ und „das literarhistorische Ganze [bilden]“ (Worstbrock, Franz Josef: Politische Sangsprüche Walthers im Umfeld lateinischer Dichtung seiner Zeit. In: Kraß, A./ Köbele, S. (Hgg.): Ausgewählte Schriften I, Stuttgart 2004, S. 39-60, hier: S. 59). Worstbrock hat hier freilich nur einen Ausschnitt aus Walthers Gesamtwerk behandelt, aus dem sich ein Parameter für das Vorhaben ableiten lässt: Die Trennschärfe der literarischen Sphären gilt es für Walthers Texte neu zu überprüfen und seine Auseinandersetzung mit der latinitas über die politischen Sangsprüche hinaus neu zu bestimmen. Einen vergleichsweise unproblematischen Orientierungspunkt dafür bietet wohl der Bezug von Texten Walthers zur Sammlung der Carmina Burana, wie er von der Forschung mehrfach herausgestellt wurde: Walthers Lieder und die vorwiegend lat. Dichtungen der Sammlung scheinen derselben literarischen Sphäre anzugehören. Die politischen Sprüche Walthers und die Position von Walthers Texten zur Sammlung der Carmina Burana stecken damit einen Rahmen ab, in dem Walthers Texte mit der latinitas interagieren. Als ein weiterer Ausgangspunkt des Vorhabens ist daher die Annahme einer relativen Einheit der literarischen Sphären zu benennen. Vor diesem Hintergrund erforscht das Vorhaben die Wechselwirkung zwischen Walthers Texten und der zeitgenössischen lateinischen Literatur.

Tim Kopetzki M.A.

Dissertationsprojekt 'Vom Wachsen und Werden: Erziehung, Bildung und Entwicklung in der Figurendarstellung der höfischen Epik. Eine Untersuchung von Kindheits- und Jugenderzählungen des 12. und 13. Jahrhunderts' (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt verfolgt das Ziel, die sich in den Figuren spiegelnde und diskutierte lebensweltliche Realität von Jugendlichen, die Darstellung ihrer intellektuellen Entwicklung sowie ethisch-moralischen Sozialisation in und außerhalb der feudalen Gesellschaft im Rahmen einer ‚literarischen Anthropologie‘ zu untersuchen und bisherige oft stereotype Forschungsergebnisse über die Bedeutung von Kindheit und Jugend in der mittelhochdeutschen Epik kritisch zu beleuchten. Zu diesem Zweck sollen lateinische Enzyklopädien des Hochmittelalters wie zum Beispiel Vinzenz‘ von Beauvais pädagogisches Hauptwerk De eruditione filiorum nobilium und volkssprachliche Texte wie Der Welsche Gast Thomasins von Zerklare bearbeitet und mit dem zeitgenössischen literarischen Diskurs über Erziehung und Entwicklung, wie er beispielswiese in Wolframs von Eschenbach Parzival zu Tage tritt, in Bezug gesetzt werden. Dabei ist der Verarbeitung der im Hochmittelalter diametral entgegengesetzten Wissenspositionen über menschliche Entwicklung, die entweder von der natürlichen Disposition des Menschen anhand seiner Anlagen oder von der Entwicklungsfähigkeit des Menschen durch Prägung ausgehen, besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Es steht also zur Debatte, wie und zu welchem Zweck sich im literarischen Text Anknüpfungspunkte zu den theologischen und philosophischen Intertexten seiner Zeit identifizieren lassen.

Sandra Désirée Theiß M.A.

Dissertationsprojekt

[Beschreibung folgt]

 

abgeschlossene Projekte

Dr. Arne Schumacher

Konrad Humerys ‚Tröstung der Weisheit‘. Antikenrezeption zwischen christlichem Trostanspruch und volkssprachigem Wissenstransfer, Berlin 2019. (Philologische Studien und Quellen 271) [Dissertation] [zum Buch]

Der Mainzer Jurist und Diplomat Konrad Humery hat in den Jahren vor 1467 die ‚Consolatio Philosophiae‘ des Boethius erstmals für ein breites Laienpublikum verdeutscht. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dieser in drei Handschriften überlieferten deutschen Übersetzung. Sie weist nach, dass Humerys ‚Tröstung der Weisheit‘ nicht nur lebenspraktischer Trosttext in der Volkssprache ist, sondern dass sie die philosophischen Implikationen des Ausgangstexts im Zuge einer anspruchsvollen, sprachlich-begrifflichen Annäherung ernst nimmt. Für diese Neubewertung wird die Übersetzung breit kontextualisiert und in die Tradition der lateinischen, europäisch-volkssprachigen und deutschen ‚Consolatio‘-Rezeption eingeordnet. Die Berücksichtigung der Überlieferung, ihrer Paratextualität, Medialität und Materialität, zeigt darüber die historischen Entstehungs- und Existenzbedingungen vor allem dort, wo die verlorene Vorlage die Einschätzung der Übersetzungsqualität erschwert hat. Damit leistet die Untersuchung eine neue Einordnung der Übersetzung in das literaturwissenschaftliche Koordinatensystem der volkssprachigen Antikenrezeption des 15. Jahrhunderts.

 

Dr. Fabian Sietz

Erzählstrategien im ‚Rappoltsteiner Parzifal‘. Zyklizität als Kohärenzprinzip, Heidelberg 2017. (Studien zur historischen Poetik 25) [Dissertation] [zum Buch]

Der ‚Rappoltsteiner Parzifal‘ kombiniert Wolfram von Eschenbachs ‚Parzival‘ mit aus dem Altfranzösischen übersetzten ‚Fortsetzungen‘ zu Chrétien de Troyes ‚Conte du Graal‘. Kennzeichnend für alle in ihn eingeflossenen Texte ist, dass sie nicht nur von Parzival und seiner Suche nach dem Gral erzählen, sondern auch Geschichten weiterer Artusritter berichten, die nur lose mit der des namengebenden Helden verbunden sind und damit die romanhafte Anlage und den Zusammenhalt des Werks infrage stellen. Die Untersuchung leistet einen Beitrag zur Erforschung dieses bisher wenig beachteten dezentralen Konzepts, indem sie den ‚Rappoltsteiner Parzifal‘ in den Kontext zyklischer Kohärenzstrategien stellt. Unter dieser Perspektive erweist er sich als ein zwar heterogenes, zugleich jedoch auch kohärentes Werk, dessen Zusammenhänge sich erstaunlich oft aus der Kombination der ‚Fortsetzungen‘ mit dem ‚Parzival‘ ergeben. Die Paratexte der Handschriften und das dezentrale Erzählen führen zu einer romanhaft-zyklischen Werkeinheit.

 

Dr. Ineke Hess

Selbstbetrachtung im Kontext hoefischer Liebe: Dialogstruktur und Ich-Konstitution in Hartmanns von Aue ‚Klage‘. Berlin 2016. (Philologische Studien und Quellen 255) [Dissertation] [zum Buch]

Die Arbeit untersucht systematisch die kommunikativen Aspekte der fast ausschließlich in ‚oratio recta‘ verfassten ‚Klage‘ Hartmanns von Aue (um 1280/85). Sie zieht aktuelle Ergebnisse der germanistisch-mediävistischen sowie interdisziplinären historischen Dialogforschung heran und entwickelt diese für die emergente Form des Textes weiter. Mit ihrem als Wechselrede zwischen ‚lîp‘ und ‚herze‘ gestalteten Mittelteil ist die ‚Klage’ ein selbstbetrachtender Dialog und wird in dieser literarischen Tradition sowie im Kontext der zeitgenössischen Tendenz, vermehrt innere Prozesse darzustellen, betrachtet. Darüber hinaus bezieht die Arbeit unter Berücksichtigung der überlieferten Textgestalt offene Forschungsfragen zur Textkohärenz in die Interpretation ein. Damit bietet sie Lösungen in weitgehend erstarrten Forschungsdiskussionen. Eine alle Textteile gleichermaßen berücksichtigende Inhaltsanalyse und eine Übersetzung des Schlussgedichts erschließen den Text umfassend und geben schließlich neue Impulse für diesen von der Forschung wenig beachteten Text.

 

Dr. Agata Mazurek

Sprichwort im Predigtkontext. Untersuchungen zu lateinischen Prothemata-Sammlungen des 15. Jahrhunderts mit deutschen Sprichwörtern. Mit einer Edition. Berlin/Boston 2014. (Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters 142) [Dissertation] [zum Buch]

Die vorliegende Studie leistet einen Beitrag zur Erforschung der Funktion der Sprichwörter im Mittelalter. Das Untersuchungskorpus bilden die lateinischen Prothemata (Predigteinleitungen), die mit deutschen Sprichwörtern beginnen und im Zeitraum von 1448 bis1517 im ostmitteldeutschen und bayerischen Raum handschriftlich überliefert sind. Der erste Untersuchungsteil arbeitet unter besonderer Berücksichtigung der Materialität der Textzeugen die Überlieferung auf. Die Auswertung der Provenienzen und der Überlieferungsgemeinschaft sowie die eingehende Analyse der Prothemata-Texte erlauben es, die bislang dem Bereich der populären Predigt zugerechneten Sermones ins gelehrte klerikale Milieu zu verorten. Die Sprichwörter erweisen sich dabei als ein integrales textorganisierendes Element der Prothemata, das der Intensivierung ihrer mnemotechnischen Wirkung dient. Im zweiten Teil bietet die Arbeit eine Edition, die die Texte erstmals zugänglich macht, den Textbestand der einzelnen Überlieferungszeugen und die Überlieferungsformen der Sprichwörter aufzeigt sowie die Selbstverständlichkeit der Bilingualität im Bildungsbereich und damit den hohen Stellenwert der Volkssprache vor Augen führt.

 

Dr. Stefan Erlei

‚Höfisch‘ im Mittelhochdeutschen. Die Verwendung eines Programmworts der höfischen Kultur in den deutschsprachigen Texten vor 1300. Frankfurt am Main, Berlin et al. 2010. (Kultur, Wissenschaft, Literatur. Beiträge zur Mittelalterforschung 22) [Dissertation] [zum Buch]

‚Höfisch‘ ist für die Kultur des Mittelalters ein Schlüsselwort. In den literarischen Quellen trifft man auf unzählige höfische Männer und Frauen, die höfisch handeln und sprechen, sich höfisch fortbewegen und sich von ihrer höfischen Gesinnung leiten lassen. Doch was genau bedeutet das Epitheton ‘höfisch’? Diese Untersuchung entwickelt erstmals auf der Basis eines transparenten, umfassenden Belegcorpus, das auf der Basis aller verfügbaren deutschsprachigen Texte vor 1300 erstellt wurde, Verwendungsprofile der Adjektivderivate zu ‘Hof’ und ihrer sekundären Ableitungen. Hierzu wird im ersten Teil der Untersuchung jeder Beleg in seinem Gebrauchskontext präsentiert, während im zweiten Teil die signifikanten Kollokationen und Verwendungsweisen der jeweiligen Verwortung herausgearbeitet werden.

 

Dr. Silvia Reuvekamp

Sprichwort und Sentenz im narrativen Kontext. Ein Beitrag zur Poetik des höfischen Romans. Berlin/New York 2007. [Dissertation] [zum Buch]

Zum ersten Mal wird in dieser Arbeit die narrative Bedeutung und Integration von Sprichwörtern der mündlichen wie der gelehrt schriftliterarischen Tradition in den höfischen Artus-, Gral- und Tristan-Romanen des hohen Mittelalters umfassend dargestellt. Sprichwörter spielen in den Romanen Wolframs von Eschenbach oder Hartmanns von Aue als ‚Mikrotexte‘ eine wichtige Rolle: Sie ‚bewerten‘ Handlungssequenzen, sind Träger der Didaxe und schaffen eine Brücke zwischen der fiktionalen Welt des Textes und der realen Welt der Rezipienten, indem sie das allgemein akzeptierte ‚Weltwissen‘ des Publikums mit den erzählten Ereignissen spannungsreich verbinden. Die Arbeit diskutiert die Funktion von Sprichwörtern und Sentenzen im Mittelalter erstmals auf der Höhe der Diskussion, fasst die bisherige Forschung zusammen, schafft ein solides methodisches Fundament für die literaturwissenschaftliche Sprichwörterforschung und bietet Anschlussmöglichkeiten für die weitere Forschung.