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Hörbuch des Monats Dezember

Veröffentlicht am 19. Dezember 2014

Das Nichts hat es bis unter den Weihnachtsbaum geschafft?

Der Weihnachtstipp: Die unendliche Geschichte ist als Hörspiel bei Hörbuch Hamburg erschienen

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Pünktlich zu Weihnachten entführt uns Silberfisch, das Kinder- und Jugendprogramm des Hörbuch-Verlags Hörbuch Hamburg, mit einem ganz besonderen Hörspiel in das Reich der Phantasie und lässt damit Erinnerungen an Buchlektüren zu Kindheitstagen wieder erblühen.

Anlässlich des 35-jährigen Erscheinens von Michael Endes berühmter Unendlicher Geschichte ist in Zusammenarbeit mit dem WDR und den Erben Michael Endes ein aufwendig produziertes Hörspiel erschienen. Über 50 verschiedene Sprecher sind darin in über 70 Rollen beteiligt und erzeugen ein höchst atmosphärisches Hörerlebnis, das nicht nur junge Hörer begeistern dürfte.

Die Handlung kennen die meisten Hörer bereits von dem eigenen Leseerlebnis oder der mehr schlecht als recht gelungenen Verfilmung von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1984. Während der Film in vielen Details leider über alle Maßen enttäuschte, orientiert sich das Hörspiel am Original von Michael Ende. Darin hat der Glücksdrache Fuchur wieder glitzernde Schuppen statt weißes Fell, Atréju, der Held der Geschichte, blau-schwarzes Haar und grüne Haut und auch die gesamten Episoden mit Bastian in Phantásien sind aufgenommen worden. Bei wem das Buch bereits in Vergessenheit geraten ist, dem sei im Folgenden noch einmal kurz in Erinnerung gerufen, worum es genau geht:

Bastian Balthasar Bux, ein schüchterner Junge, der auf der Flucht vor den Schikanen seiner Mitschüler in einem Antiquariat Schutz sucht, entdeckt dort ein außergewöhnliches Buch: Die unendliche Geschichte. Er zieht sich auf den Dachboden seiner Schule zurück und versinkt in die Lektüre des Buches. Bastian taucht ein in das Reich der Phantasie und erfährt, dass die Kindliche Kaiserin, Herrscherin über Phantásien, sterbenskrank ist und schnellstmöglich ein Heilmittel für sie gefunden werden muss. Andernfalls würde das Land für immer durch das alles vernichtende Nichts zerstört werden. Auserkoren für die abenteuerliche Suche nach einer Heilung ist Atréju, ein junger Krieger, der alsbald erfährt, dass nur ein neuer Name für die Kaiserin Phantásien zu retten vermag. Bastian Balthasar Bux kann die Kaiserin retten – aber wie?

Alle Geschöpfe Phantásiens existierten nur durch das Dasein der Kindlichen Kaiserin. Ohne sie konnte nichts bestehen und so wurde sie von allen Geschöpfen dieses Reiches geschätzt und alle machten sich Sorgen um ihr Leben. Denn ihr Tod wäre der Untergang Phantásiens und gleichzeitig das Ende für sie alle.

Michael Endes Roman ist vor allem für seine philosophische Tiefgründigkeit bekannt, er ist ein Appell an die Bewahrung der kindlichen Phantasie auch im Erwachsenen-Alter. So verwundert es nicht, dass es gerade die „Mächtigen“ dieser Welt sind, die die Zerstörung Phantásiens beauftragen:

»Mächtige aus der Welt der Menschen, denen ich diene, haben die Vernichtung Phantásiens beschlossen, aber ihr Plan ist in Gefahr. Ihnen wurde berichtet, dass die Kindliche Kaiserin einen Boten ausgesandt hat, der ein Heilmittel für sie finden soll und damit auch für Phantasien.«

In der Unendlichen Geschichte lehrt uns Michael Ende, dass die Phantasie es ist, die uns vor der Traurigkeit in der Welt schützen kann. Wenn wir sie vergessen, bleibt nur das Nichts, das uns Stück für Stück die Freude am Leben raubt, wie es Atréju in den Sümpfen der Traurigkeit am eigenen Leib erfahren muss:

»So hast du noch nie geredet! Bist du krank?« – »Vielleicht … mit jedem Schritt, den wir weiter gehen, wird die Traurigkeit in meinem Herzen größer, […] geh alleine weiter, ich kann diese Traurigkeit nicht mehr aushalten.«

Das Hörspiel zur Unendlichen Geschichte, in der Bearbeitung von Ulla Illerhaus, erzeugt auf über 278 Minuten dank wandelbarer Sprecher und atmosphärischer Musik ein spannendes Hörvergnügen für Jung und Alt. Besonders hervorzuheben sind an dieser Stelle neben einer Vielzahl toller Stimmen Anna Thalbach und Hans Kremer als Erzähler und Laura Maire in der Doppelrolle als Kindliche Kaiserin und zauberhaftes Irrlicht. Obwohl die Hörspielfassung von Silberfisch und dem WDR 90 Minuten länger ist als die vorherige Bearbeitung vom Bayrischen Rundfunk aus dem Jahr 1981, wünscht man sich doch bei den letzten Klängen, der Titel des Romans möge Wirklichkeit werden und das Hörerlebnis andauern. Vielleicht wird Phantasie tatsächlich einmal Realität und sei es nur, in dem man bei CD 1 erneut beginnt.

Eine Hörprobe erhalten Sie hier.

Mehr Lieblingsbücher zu Weihnachten

Veröffentlicht am 14. Dezember 2014

Die letzte Woche vor dem Fest steht an, wer jetzt noch ohne Geschenke ist, ruht lang nicht mehr entspannt auf seinem Sofa. Zwei lesenswerte Schätzchen von 2014 besprechen wir daher last minute: „Dat Leben is kein Trallafitti“ von Otto Redenkämper, ein echtes Gutelaune-Buch – und „Länger als sonst ist nicht für immer“, ein einfühlsamer Roman von Pia Ziefle.

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Otto Redenkämper: Dat Leben is kein Trallafitti

Wer kennt sie nicht, die Gardinen, die sich bewegen, nachdem man aus dem Auto gestiegen ist oder zur Mülltonne geht. Wer kennt nicht die Rentner, die alles im Blick haben, ob man will oder nicht. Der „Fenster-Rentner“ Otto erklärt uns die Welt, seine Kiosk-Welt in Gelsenkirchen und seine Inspektor-Buerlombo-Einsätze, bei denen er auf alles vorbereitet sein muss. So berichtet er in einzelnen Geschichten und auch von Schrecken am Morgen, wenn seine Frau Wilma die Lieblingsunterhemden nicht bereitgelegt hat oder die Schwimmbrille ins Wasser fällt. Das Leben eines Fenster-Rentners ist harte Arbeit, an dem Otto Redenkämper den Leser in seiner charmanten Art teilhaben lässt. Ruhrdeutsch ist die beherrschende Sprache, es finden sich Worte wie Kinners, Pilspalette oder Kinderplörre. „Trallafitti“ ist das vorherrschende Prinzip. So schreibt Otto: „Da war ja richtig Trallafitti bei euch. Du kennst ja das Sprichwort „Keine Power ohne Aua.“ Fenster-Rentner wissen über alles Bescheid und kontrollieren auch mal eine Biotonne, aber Ottos charmanter Art verzeiht man die Spionage und erhält einen amüsanten Eindruck vom Ruhrpottleben. „Glück auf!“ an alle Fenster-Rentner!

Kim Uridat

Otto Redenkämper: Dat Leben is kein Trallafitti. Der Fenster-Rentner erklärt die Welt. 
Fischer, 2014, 8,99 €. E-Buch 8,99 €.

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Pia Ziefle: Länger als sonst ist nicht für immer

Manchmal ist die Flucht alles, was noch bleibt, um sich vor dem Ersticken zu retten. Bleibt ein Kind dabei zurück, entwirft die Literatur gern Bilder von Schuld und Trauma, denn wer sein Kind den Wölfen überlässt, der kann kein Guter sein. Falsch, zeigt der zweite Roman von Pia Ziefle, und verspricht es schon im Titel. Länger als sonst ist nicht für immer handelt von einer Reihe elterlicher Fluchten. Fido mit dem vom serbischen Großvater verliehenen Namen, Ziefles liebenswerteste Figur, wird seine Mutter, die ihn als Baby weggab und sich ein wenig versteckt, besuchen. Ira, deren Mutter nicht in die Ferne, sondern ins Innere geflohen ist und sie zum Sündenbock für die Misere machte, wartet mit Job und Kind auf bessere Zeiten. Lew, den die Eltern beim Ausreiseversuch aus der DDR zurückgelassen haben, sucht seinen Vater am anderen Ende der Welt. In Indien wird er ihn finden und dort auch die Kraft schöpfen, von seiner eigenen Flucht zurückzukehren. Wohin, wird eine Überraschung sein. Ziefles Talent, auf Bösewichte zu verzichten, und denen Raum zu geben, die ihr Leben anpacken, überzeugte schon in ihrem Erstling Suna. Ihr neuer Roman entwickelt diese Haltung weiter und könnte man an Schriftsteller Bestellungen aufgeben, gälte eine sicher dem wilden Fido, der einen eigenen Roman bekommen sollte.

Britta Peters

Pia Ziefle: Länger als sonst ist nicht für immer. Arche Literatur Verlag, 2014, 19,99 €.

Lieblingsbücher zu Weihnachten

Veröffentlicht am 9. Dezember 2014

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Zum Jahresende lassen wir unsere Leser natürlich auch 2014 nicht im Stich und empfehlen eine Reihe von Büchern, die als Geschenk für andere oder für sich selbst geeignet sind. Das fusznote-Weihnachtsspecial enthält nicht immer neu erschienene, aber dafür garantiert Lieblingsbücher.

Dieses Jahr mit an Bord: Geheimnisvolles aus den Archiven, Wolfgang Herrndorfs letzter Text und die brandneue Hörspielinszenierung von Michael Endes Unendlicher Geschichte! Viel Spaß beim Lesen!

Download: fusznote-Weihnachtsspecial 2014 (PDF)