Dissertationsprojekt: ‚was ieklich stein betueten kan – Figur und Allegorie in den deutschsprachigen Schachzabelbüchern‘

Mit dem ‚Liber de moribus hominum et de officiis nobilium sive de ludo scaccorum‘ des Genueser Dominikaners Jacobus de Cessolis beginnt im 14. Jahrhundert die Tradition des Schachzabelbuchs, die mit vier unabhängig voneinander entstandenen deutschsprachigen Versbearbeitungen frühzeitig in die Volkssprache einzieht. Diese Texte bearbeiten nicht nur die didaktischen Exempla des lateinischen Traktats, sondern übernehmen auch das allegorische Deutungsverfahren der Vorlage, die die Gesellschaft am Bild des Schachspiels erklärt. Die Dissertation stellt die volkssprachige Rezeption komplexer Allegoriemodelle dar und untersucht, wie diese an ein Publikum ohne theoretische Vorkenntnisse aus der lateinischen Literatur gebunden werden, insbesondere also, wie der volkssprachige Bearbeiter die komplexen Allegorien zu vereinfachen, zu erklären oder gar zu verändern versucht. Neben einer Beschreibung der Gemachtheit der Allegorie, liegt der Fokus deshalb auch auf der Vermittlungsebene. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Fragen der Rezeptionssteuerung – etwa in der bimedialen Präsentation in den Handschriften und Drucken –, der erzähltechnischen Inszenierung der Figurenbewegung und deren Rückbindung an die Standesvertreter sowie der Frage nach dem Bedeutungswandel der Allegorie durch größere Texteingriffe in die Makrostruktur der Schachzabelbücher.

Allgemeine Forschungsinteressen

  • Didaktische Literatur des Mittelalters
  • Materialität und Medialität volkssprachiger Literatur
  • Visionsliteratur
  • Volkssprachige Antikerezeption
  • Vormoderne Fachliteratur

Publikationen:

  • Wigamur für Komparatisten. Zur Neuedition des Wigamur von Joseph M. Sullivan, in: Queeste. Journal of Medieval Literature in the Low Countries Bd. 23, Heft 2 (2016), S. 188-191. [= Rezension Joseph M. Sullivan (Hg.), Wigamur. Edited and translated by Joseph M. Sullivan. Cambridge: D.S. Brewer, 2015 (German Romance Volume VI)]

Vorträge:

  • ‚Wenn Abstraktes zur Figur wird: das Beispiel ‚Allegorie‘‘, wiederholte Einführungsvorlesung im Rahmen des Grundkurses ‚Germanistische Mediävistik‘ von Prof. Dr. Bernd Bastert und Dr. Dorothee Lindemann (RUB)
  • ‚Die Allegorisierung des Schachbretts bei Jacobus de Cessolis‘, Gastvortrag im Rahmen des Forschungsseminars ‚Eine Sprache der Liebe‘ (WS 2020/21) von Prof. Dr. Bernd Bastert und Prof. Dr. Manfred Eikelmann (RUB) (28.01.2021)
  • ‚Der Illustrationszyklus der Schachzabelbücher im deutschen Sprachraum‘, Vortrag im Rahmen des ‚Kolloquiums der Frankfurter Altgermanistik‘ bei PD Dr. Christiane Ackermann und Prof. Dr. Christina Lechtermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main) (18.06.2019)
  • ‚Der Illustrationszyklus der Schachzabelbücher im deutschen Sprachraum‘, Vortrag im Rahmen des Forschungsseminar ‚Erzählte Dinge‘ (SS 2019) von Prof. Dr. Bernd Bastert und Prof. Dr. Manfred Eikelmann (RUB) (06.06.2019)
  • ‚Vom König auf dem Schachbrett. Die Allegorisierung der Zugweisen im Schachzabelbuch Konrads von Ammenhausen‘, Vortrag auf dem 16. Treffen des Arbeitskreises ‚Mediävistik in Nordrhein-Westfalen‘ in Bochum (09.11.2018)
  • was ieklich stein betueten kan. Figur und Allegorie in den deutschsprachigen Schachzabelbüchern‘‚ Vorstellung des Dissertationsprojekts bei dem ‚Doktorandenkolloquium der Universitäten Bochum, Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster und Siegen‘ (27.04.2018)
  • ‚Von der Gesellschafts- zur Kriegsallegorie. Das Schachzabelbuch Jakob Mennels und dessen Nachdrucke‘, Gastvortrag im Rahmen des ‚Kolloquiums der Habilitand/-innen, Doktorand/-innen, Master- und Magisterkandidat/-innen‘ bei Prof. Dr. Christina Lechtermann und Prof. Dr. Robert Seidel (Goethe-Universität Frankfurt am Main) (02.02.-03.02.2018)
  • ich wil von etlichem gemeinlich sagen, was ir gang betueten kan. Die Zugweisen in den deutschsprachigen Schachzabelbüchern‘, Gastvortrag im Rahmen des ‚Kolloquiums der Habilitand/-innen, Doktorand/-innen, Master- und Magisterkandidat/-innen‘ bei Prof. Dr. Christina Lechtermann und Prof. Dr. Robert Seidel (beide Goethe-Universität Frankfurt am Main) (30.06.2017)
  • ‚Die Zugweisen in Konrads von Ammenhausen Schachzabelbuch‘, Gastvortrag im Rahmen des Forschungsseminars ‚Geschichte erzählen‘ (SS 2017) von Prof. Dr. Manfred Eikelmann (RUB) (13.06.2017)
  • was ieklich stein betueten kan. Figur und Allegorie in den deutschsprachigen Schachzabelbüchern‘, Vorstellung des Dissertationsprojekts beim ‚DoktorandInnen-Kolloquium‘ von Prof. Christina Lechtermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main) und Prof. Dr. Uta Störmer-Caysa (Johannes Gutenberg-Universität Mainz) (13.05.2017)
  • ‚Allegorie und Erzählen: Frau Welt‘, Gastvortrag im Rahmen des Forschungsseminars ‚Literarische Figuren im Forschungsgespräch‘ (WS 2017/18) von Prof. Dr. Manfred Eikelmann (RUB)
  • ‚Jakob Mennel und die Schachliteratur des 16. Jahrhunderts‘, auf der Tagung ‚Karten – Würfel – Schach: Spiele in der Vormoderne‘. Internationaler und interdisziplinärer KOSMOS-Workshop im gameLab der Humboldt-Universität zu Berlin (20.07.-22.07.2017)
  • ‚Albers von Windberg Die Vision des Tnugdalus‘, Gastvortrag im Rahmen der Vorlesung ‚Einführung in die geistliche Literatur‘ (WS 2015/16) von Prof. Dr. Christina Lechtermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main)
  • ‚Einführung in die Propädeutik am Beispiel der Schachzabelbücher‘ im Rahmen des Hauptseminars ‚Fachprosa‘ (WS 2014/15) von Jun.-Prof. Dr. Christina Lechtermann (RUB)
  • ‚Geistliche Spiele – die Fragmente I Q 226a und Akc. 1955/156‘ bei dem Nachwuchskolloquium an der Universität Breslau (8.-12. Mai 2012), veranstaltet durch das Germanistische Institut der Ruhr-Universität Bochum [zusammen mit Cosima Schütte]