Robert Schütze» Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen

Wintersemester 2019/20

Literatur und Politik (Proseminar)

Freitag, 10­–12 Uhr, GABF 04/414
Download Seminarplan
zum Moodle-Kurs (Passwort: Rochdale)

Im Proseminar werden wir uns den vielfältigen Austauschbeziehungen zwischen Literatur und Politik polyperspektivisch nähern. An vier exemplarischen Konstellationen, die sich von der Frühen Neuzeit bis in die unmittelbare Gegenwart erstrecken, verschaffen wir uns sowohl historisch als auch gattungssystematisch einen ersten Überblick:

(1) Am barocken Trauerspiel wird uns der politische Ausnahmezustand interessieren, der entsteht, wenn der Souverän als Machtzentrum ausfällt (sei es durch Absetzung, Ermordung oder Straffällig-Werden). Hier lesen wir Christian Weises Trauerspiel „Masaniello“ (1683).

(2) Für das 18. Jahrhundert werfen wir einen Blick auf den Heroismus-Diskurs, der sich insbesondere im Umfeld des Siebenjährigen Krieges entspinnt. Kriegspublizistik, Propaganda und Dramatik beschäftigen sich aus je eigenen Blickwinkeln mit der Frage, was bzw. wer eigentlich ein Held ist. Vor allem Gleim und Lessing werden uns in diesem Kontext interessieren.

(3) Welche politischen Implikationen literarische Formen (auch auf der z.B. metrischen oder klanglichen Mikroebene) bergen, untersuchen wir an ausgewählten lyrischen Stichproben von Weckherlin bis Brecht.

(4) Utopien genießen seit einigen Jahren wieder Konjunktur. Sibylle Bergs Roman „GRM Brainfuck“ (2019) werden wir deshalb zum Anlass nehmen, über die Modellierung literarischer Gegenwelten in der Gegenwartsliteratur nachzudenken.

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Freitag, 16–18 Uhr, Raum GABF 04/414
zum Moodle-Kurs (Passwort: gk19)

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 


Sommersemester 2019

Arbeitstechniken der Literaturwissenschaft (Übung)

Freitag, 10­–12 Uhr, GBCF 04/516

Ergänzend zum Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft will die propädeutische Übung Sie an einem überschaubaren Untersuchungsgegenstand exemplarisch in literaturwissenschaftliches Arbeiten und die hierzu erforderlichen Arbeitstechniken einführen. Neben der intensiven Erschließung thematischer Aspekte werden wir deshalb verschiedene Techniken der Textanalyse erproben. Wir werden lernen, wie wir (historische) Wörterbücher produktiv für die Deutung literarischer Texte nutzen, warum es sich lohnt, mit Digitalisaten alter Drucke zu arbeiten, und wie wir diese finden, wie wir bibliographieren, Forschungsliteratur auswerten und ins Gespräch miteinander bringen, eigene Thesen entwickeln und sie sprachlich angemessen ausformulieren. Ziel ist es, exemplarisch wesentliche Techniken zur Abfassung eigener literaturwissenschaftlicher Texte (wie z.B. Hausarbeiten) zu erlernen.

 

 

Beobachten, beschreiben, experimentieren.
Literatur und Naturwissenschaft in der Frühen Neuzeit

Ringvorlesung Literatur der Frühen Neuzeit und ihre kulturellen Kontexte, Folge 10
Gemeinsam mit Nicola Kaminski und Nicolas Potysch
Montag, 12–14 Uhr, Raum HGB 20
Programm der Ringvorlesung: Download

Sie ist mehr als Vanitas und Memento Mori, mehr als Weltekel und obsessive Jenseitsorientierung, mehr als rhetorisches Geklapper und überladener Schwulst: Die Literatur der Frühen Neuzeit zeigt sich weitaus vielgestaltiger, als solch überstrapazierte Schlagworte suggerieren, deren bequeme Anwendung die Texte nicht selten, leider, eher zum Schweigen als zum Sprechen bringt. Nun lässt sich gegen den langweilig-verengten Tunnelblick durchaus etwas unternehmen. Unsere Ringvorlesung, die sich an fortgeschrittene Bachelor- sowie an Master-Studierende richtet und in diesem Sommersemester bereits zum 10. Mal stattfindet, vermeidet klischeelastige Monotonie.

In diesem Sommer widmen wir uns dem Verhältnis von Literatur und Naturwissenschaft, mit dem in der Frühen Neuzeit keine getrennten Sphären einhergehen: Wenngleich die disziplinären Grenzen in den folgenden Jahrhunderten undurchlässiger werden, so markiert die Frühe Neuzeit in der Geschichte der Naturwissenschaften eine Phase der Ausdifferenzierung einzelner Disziplinen, mit der – so scheint es jedenfalls – radikale Zäsuren einhergehen: Kopernikus und Kepler revolutionieren die Position des Menschen im Kosmos und treiben so nicht zuletzt die Abgrenzung von Astronomie und Astrologie voran. Neue optische Theorien und ein Arsenal ausgefeilter Beobachtungsinstrumente – vom astronomischen Fernrohr bis zum Mikroskop – erweitern den Horizont dessen, was menschlicher Erfahrung zugänglich ist. Und an die Stelle erfahrungsferner Metaphysik tritt nun das wissenschaftliche Experiment, an die Stelle mittelalterlicher Scholastik und religiöser Dogmen die empirisch rückgebundene Methodenreflexion. Erste Fachzeitschriften etablieren einen naturwissenschaftlichen Diskurs; Wissenschaftliche Gesellschaften verbinden die Bereiche der Naturwissenschaft, Politik und Literatur.

Daraus ergibt sich ein ganzes Panoptikum an Fragen, denen wir im Rahmen unserer Ringvorlesung exemplarisch nachspüren werden: Wie verhält sich Literatur zu den ‚neuen‘ Verfahren naturwissenschaftlicher Weltbeobachtung? Wie wird die Fülle der Entdeckungen literarisch reflektiert, verarbeitet, inszeniert? Welchen Einfluss haben naturwissenschaftliche ‚Wenden‘ auf literarische Motive und Formate? Und umgekehrt: Welche Rolle spielen literarische Verfahren für die Konstruktion naturwissenschaftlicher Erkenntnisse und ‚Weltbilder‘? Im Mittelpunkt steht jeweils ein überschaubarer Schlüsseltext, der eingehend auf seine kulturgeschichtliche Relevanz hin untersucht wird. Über den literaturwissenschaftlichen Tellerrand hinaus gehen wir zudem gezielt in den interdisziplinären Austausch (u.a. mit Wissenschaftsgeschichte, Physik, Ingenieurwissenschaft), um frische und andere Perspektiven auf Gegenstände und Ereignisse zu gewinnen. So erlaubt es die Veranstaltung, frühneuzeitliche literarische Texte in ihren Beziehungen nach außen wahrzunehmen – und nicht minder unsere Bochumer Germanistik: Für einen Teil der Vorlesungseinheiten laden wir auswärtige Dozenten nach Bochum ein, so dass Sie Gelegenheit bekommen, renommierte Frühneuzeitspezialisten anderer Universitäten kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren.

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Montag, 10–12 Uhr, Raum GB 02/60

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 


Wintersemester 2018/19

Clowns und Helden: Lessing (Proseminar)

Freitag, 10­–12 Uhr, GABF 04/414
Zum Moodle-Kurs (Passwort: Heldenzeit)
Download: Seminarplan

Clowns und Helden bei Lessing? Fehlanzeige, könnte man meinen. Vollzieht sich doch im 18. Jahrhundert, wie man in so ziemlich jeder Literaturgeschichte erklärt bekommt, eine der folgenreichsten Theaterreformen auf dem Feld beider dramatischer Großgattungen: statt sächsischer Typenkomödie nunmehr rührendes Lustspiel, statt barocker Märtyrertragödie nunmehr bürgerliches Trauerspiel. Lessing sei Dank! Harte Zeiten für den tendenziell ordnungsstörenden, anarchisch agierenden Clown, harte Zeiten nicht minder für die ihr lächerliches Laster bereits im Namen führenden Narrenfiguren der Aufklärungskomödien. Und Helden? „Wer ist ein Held?“, fragt Lessings „schönes Ungeheuer“ Philotas. Ein Held, das ist ein Königssohn, gefangen im Feldlager des Feindes – ein Kind, das sich in Manövern grandioser rhetorischer Selbstüberlistung, dem affektiven Schwung erhitzter Einbildungskraft hingegeben bis in den Selbstmord fabuliert. Kein Stoiker, kein Märtyrer, kein gerechter König – ein trotziges Kind.

Unsere Agenda: Wir werden uns die anthropologischen und psychologischen Voraussetzungen ansehen, unter denen Lessing seine Auffassung von tragischen und komischen Charakteren etabliert. Wir schauen, wie Lessing an der Umwertung zweier Dramenkonstituenten einen literaturgeschichtlichen Umbruch inszeniert, Literaturpolitik betreibt. Wir schauen ferner, wo Clowns und Helden unterkommen: ob sie wiedergängerisch, in verkappter Gestalt in Lessings Texten selbst vagabundieren oder andernorts in Residuen des Närrischen und Heroischen landen. Dabei werfen wir Seitenblicke auf den Heroismus-Diskurs des mittleren 18. Jahrhunderts und kontextualisieren ihn theater- und dramengeschichtlich im historischen Längsschnitt. Das bedeutet: Wir lesen neben Lessing auch eine Handvoll Barockdramen, poetologische und theoretische Texte, zum Teil in Frakturschrift.

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Montag, 12–14 Uhr, Raum GB 03/42
Zum Moodle-Kurs (Passwort: gk18)
Download: Seminarplan

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 


Sommersemester 2018

Nirgendwo (Proseminar)

Montag, 10­–12 Uhr, GABF 04/414
zum Moodle-Kurs (Passwort: Schlaraffenland)
Download: Seminarplan

“Schlaraffenland, lat. Utopia, welches im Deutschen Nirgendswo heissen könnte, ist kein wirckliches, sondern erdichtetes und moralisches Land“, konstatiert im frühen 18. Jahrhundert Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon. Im Proseminar wollen wir uns auf Spurensuche nach diesem eigentümlichen Nirgendwo begeben, das seinen Ort ja gerade im Erdichteten, in der Literatur zu beziehen scheint. Lesen werden wir im weitesten Sinne utopische Texte von der Reformationszeit bis in die Gegenwart. Im historischen Längsschnitt legen wir besonderes Augenmerk auf die erzählerischen Verfahren, durch die Utopien hervorgebracht werden, auf das breite Gattungsspektrum utopischer Reflexion (von der politischen Rede über das Manifest bis hin zur Romanform), schließlich auf das jeweils vorausgesetzte oder wirksame Wissen von der dichterischen Einbildungskraft. Wie kommt es, dass gerade der Dichtung zugemutet wird, Alternativen zum Hier und Jetzt zu erfinden, gesellschaftliche Ordnungsmodelle zu antizipieren oder unter negativen Vorzeichen als dystopischen Irrweg vor Augen zu stellen? Gibt es gefährliche Utopien? Entfaltet das dichterische Ausstaffieren eines „Schlaraffenlandes“ womöglich sedative Wirkung und hemmt progressive politische Tendenzen? Oder zeichnet sich umgekehrt zumal die Gegenwart eines omnipräsenten, alles inkludierenden Kapitalismus durch einen Mangel an Utopie aus, verlangt mithin gar nach einem erdichteten „Anderswo“ und „Nirgendwo“ als Alternative zum ökonomischen „Überall“? Um diesen und anderen Fragen nachzugehen, werden wir flankierend zu den im engeren Sinne literarischen Werken auch utopietheoretische Texte hinzuziehen (u.a. von Vertretern der Kritischen Theorie und aus der aktuellen kultur- und poptheoretischen Debatte).

 

Krieg. Literatur der Frühen Neuzeit und ihre kulturellen Kontexte, neunte Folge

Ringvorlesung. Gemeinsam mit Andreas Beck, Nicola Kaminski und Nicolas Potysch.
Montag, 12–14 Uhr, HGB 20
Download: Programm der Ringvorlesung

Sie ist mehr als Vanitas und Memento Mori, mehr als Weltekel und obsessive Jenseitsorientierung, mehr als rhetorisches Geklapper und überladener Schwulst: Die Literatur der Frühen Neuzeit zeigt sich weitaus vielgestaltiger, als solch überstrapazierte Schlagworte suggerieren, deren bequeme Anwendung die Texte nicht selten, leider, eher zum Schweigen als zum Sprechen bringt. Nun lässt sich gegen den langweilig-verengten Tunnelblick durchaus etwas unternehmen. Unsere Ringvorlesung, die sich an fortgeschrittene Bachelor- sowie an Master-Studierende richtet, vermeidet klischeelastige Monotonie: In diesem Sommer, in dem sich der Beginn des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal jährt, widmen wir uns den Wechselwirkungen zwischen Literatur und Krieg in der Frühen Neuzeit, um ihrem staunenden Blick zu zeigen, welch faszinierende Spuren kriegerische Auseinandersetzungen in Literatur und Kunst hinterlassen, wie Literatur selbst zum Schauplatz von Krieg wird und wie literarische Texte umgekehrt an der Wirklichkeit des Krieges mitschreiben. Neben dem kriegsaffinen Höhenkamm der Barockliteratur – Grimmelshausens „Simplicissimus Teutsch“ zum Beispiel – vergessen wir auf unseren Streifzügen auch solche Texte nicht, die abseits des Kanons ein unverdientes Schattendasein fristen.

Im Mittelpunkt der Vorträge steht jeweils ein überschaubarer, meist im engeren Sinn literarischer Schlüsseltext, der eingehend auf seine kulturgeschichtliche Relevanz hin untersucht wird. Über den literaturwissenschaftlichen Tellerrand hinaus gehen wir zudem gezielt in den interdisziplinären Austausch (u.a. mit Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaft, Kunstgeschichte), um frische und andere Perspektiven auf Gegenstände und Ereignisse zu gewinnen.

So erlaubt es die Veranstaltung, frühneuzeitliche literarische Texte in ihren Beziehungen nach Außen wahrzunehmen – und nicht minder unsere Bochumer Germanistik: Für einen Teil der Vorlesungseinheiten laden wir auswärtige Dozenten nach Bochum ein, so daß Sie Gelegenheit bekommen, renommierte Frühneuzeitspezialisten anderer Universitäten kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren.

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Freitag, 11–14 Uhr, Raum GABF 04/414
zum Moodle-Kurs (Passwort: gk-18)
Download: Seminarplan

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 


Wintersemester 2017/18

Fiktionalität in der Frühen Neuzeit: Grimmelshausens Romanpoetik (Proseminar)

Freitag, 16­–18 Uhr, GABF 04/414
zum Moodle-Kurs (Passwort: Mummelsee)
Download: Seminarplan

Allesamt Außenseiter, Outlaws sind sie, die Helden Grimmelshausens: Da stolpert ein einsiedelnder Hirtenjunge mit großen Augen und kindlichem Staunen durch das grotesk verzerrte Kriegspanorama. Da begibt sich eine Landstörtzerin, wieder und wieder von brutaler Soldateska verschleppt und vergewaltigt, auf Rachefeldzug. Da schlägt sich ein verhärmter Musketier kriegsgezeichnet, holzbeinig, verarmt auf den Marktplätzen mit Gaukelstückchen durch. Von der Peripherie der Gesellschaft oder – wie es gern heißt – ›von unten‹, aus dem Dreck des Schlachtfelds, aus schäbigen Schenken und brennenden Scheunen, in Hurenhäusern und von Trosswagen, beobachten die Vaganten den ganz normalen Wahnsinn einer aus den Fugen geratenen Welt: mittendrin als handelnd Betroffene, mal angriffslustig, bissig, mal distanzsuchend, reflektiert. Die Vielzahl ihrer Sichtweisen – inkompatibel, sich aneinander reibend, wechselseitig kommentierend und dementierend – fügt sich zum polyperspektivischen Romanprojekt der sogenannten simplicianischen Schriften, einem auf Fortsetzung, Erweiterung drängenden Erzählen, das sich potentiell bis ins Unendliche, ad infinitum erstreckt.

Im Proseminar wollen wir uns vor allem den Simplicissimus zunächst inhaltlich und erzähltechnisch erschließen, ihn außerdem auf relevante kulturelle Kontexte und Wissenshorizonte untersuchen (Dreißigjähriger Krieg, Ökonomie, Astrologie, Staatstheorie). Als Leitfrage wird uns besonders beschäftigen, welche Rolle der Einbildungskraft zum einen poetologisch, als Einbildungskraft des Dichters, zum andern innerhalb der Romanwelt selbst zukommt. Welches konstruktive, mitunter bedrohliche Potential entfaltet die Fähigkeit des »Phantasten«, Wirklichkeit zu verfremden, zu erfinden, zu erdichten? Wie werden aus den Träumen des Einfältigen oder aus den Visionen des wahnsinnigen Narren alternative Ordnungsmodelle, gesellschaftliche Utopien? Welchen Beitrag leistet hier die Romanform? Und welche Spielräume des Fingierens eröffnen sich in einer Epoche, die doch – wie man zu wissen glaubt – ganz erpicht ist auf rhetorisch-poetologisch gezähmtes Dichten, auf Konvention und Ordnung, kurzum: darauf, der wuchernden Einbildungskraft den Riegel vorzuschieben?

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Freitag, 12–15 Uhr, Raum GABF 04/414
zum Moodle-Kurs (Passwort: gk-winter17)
Download: Seminarplan

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 


Sommersemester 2017

»Subtile Ohren«. Dichten und Hören von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart (Proseminar)

Donnerstag, 14–16 Uhr, Raum GBCF 04/511
Moodle-Kurs: https://moodle.ruhr-uni-bochum.de/m/course/view.php?id=8095
Download: Seminarplan

Illustrierte Flugblätter, Figurengedichte, hochartifizielle Kupferstichportale, verschnörkelte Vignetten und kunstvoll verbrämte Initiale – wer frühneuzeitliche Drucke mustert, der flaniert, so scheint es, in einer ausgesprochen visuellen Epoche. Leicht tritt hinter der auffälligen Optik zurück, dass die Texte über nicht minder prononcierte klangliche Qualitäten verfügen. Qualitäten zumal, mit denen sich in einer Zeit, in der nicht unerhebliche Teile der Literatur vorgetragen, verlautlicht, mitunter gesungen wurden, auch die Dichtungslehren befassen. Wie Literatur klingt und klingen soll, welche Rolle die Ohren beim Dichten spielen und inwieweit der Klang am Sinn von Texten mitarbeitet – das sind Fragen, denen wir im Proseminar nachgehen wollen anhand ausgewählter Gedichte, Poetiken, Libretti, musik- und klangtheoretischer Texte. Der Schwerpunkt liegt im 17. und frühen 18. Jahrhundert, hier und da werden wir uns gleichwohl auf Exkursionen in die jüngere Vergangenheit begeben.

 

 

Literatur der Frühen Neuzeit und ihre kulturellen Kontexte: achte Folge  – Luther und die Folgen

Ringvorlesung. Gemeinsam mit Nicola Kaminski und Andreas Beck.
Montag, 12–14 Uhr, HGB 50

 

Die Literatur der Frühen Neuzeit, die einen der profilbildenden Schwerpunkte des Bochumer M.A.-Studiums darstellt, ist mehr als ‚Vanitas‘, ‚Memento mori‘, ‚Carpe diem‘, mehr als ‚Pest‘ und ‚Krieg‘ – sie ist weitaus vielgestaltiger, als diese überstrapazierten Schlagworte suggerieren, deren bequeme Anwendung frühneuzeitliche Texte nicht selten, leider, eher zum Schweigen als zum Sprechen bringt. Aber gegen einen solchen langweilig-verengten Tunnelblick lässt sich etwas unternehmen. Unsere Ringvorlesung, die sich an fortgeschrittene Bachelor- sowie an Master-Studierende richtet, vermeidetklischeelastige Monotonie: In diesem Sommer, dem Sommer des Reformationsjahr(e)s, werden wir uns ‚Luther und den Folgen‘ widmen – um Ihrem staunenden Blick zu zeigen, wie die Reformation die mitteleuropäische Kultur in sämtlichen Bereichen nachhaltig und bis heute spürbar geprägt hat. Behandelt werden wichtige, durchaus auch weniger bekannte kulturhistorische Szenarien – die nicht nur auf dem Gebiet deutscher Sprache und Literatur spielen, sondern auch auf dem der Theologie, Juristerei, Musik und bildenden Kunst. Dabei verschwimmt die Vortragsreihe nicht in vager Textferne, sondern bietet prägnante, exemplarische Analysen: Im Mittelpunkt der Vorträge steht jeweils ein überschaubarer, meist im engeren Sinn literarischer Schlüsseltext, der eingehend auf seine kulturgeschichtliche Relevanz hin untersucht wird.

Derart erlaubt die Veranstaltung, frühneuzeitliche literarische Texte in ihren Beziehungen nach ‚Außen‘ wahrzunehmen – und ebenso unsere Bochumer Germanistik: Für einen nicht unwesentlichen Anteil der Vorlesungseinheiten laden wir auswärtige Dozenten nach Bochum ein, so daß Sie Gelegenheit bekommen, renommierte Frühneuzeitspezialisten anderer Universitäten kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren.

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Mittwoch, 11–14 Uhr, Raum GABF 04/414
Moodle-Kurs: https://moodle.ruhr-uni-bochum.de/m/course/view.php?id=9340
Download: Seminarplan

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 

 


Wintersemester 2016/17

 

Andreas Gryphius. Kulturgeschichtliche Perspektiven auf das Werk eines ›Barockdichters‹

Proseminar, Blockveranstaltung
Download: Seminarplan mit Hinweisen zur Vorbereitung

Termine:
8. März – 10. März 2017, 11–14 Uhr (s.t.)
13. März – 16. März 2017, 11–14 Uhr (s.t.)

»Menschliches Elende«, »Thränen des Vater­landes«, »Es ist alles Eitel« – jeder kennt eine Handvoll Gryphius-Sonette. In Schul­büchern und Oberstufen-Kursen haben sie Unter­schlupf gefunden, zitatsuchende Feuilleton-Redakteure wissen hier auf ihren Beute­zügen unermüdlich zu wildern. Folgt man der Fährte, steht man plötzlich – wie könnte es anders sein – vor jener Kari­katur, die Günter Grass vom »Meister der Düsternis« gezeichnet hat: Gryphius? Das ist Vanitas und Weltver­achtung, »üppige Trauer« und »lust­volle Leidver­sessenheit«.

Im Proseminar wollen wir die liebgewonnenen stilgeschichtlichen oder ›weltanschaulichen‹ Kategorien, auf denen dieses Gryphius-Bild beruht, mit neueren kulturgeschichtlichen Per­spek­tiven konfrontieren. Beson­deres Augen­merk legen wir dabei auf die Wechselwirkungen zwischen Poesie und Theologie, Geschichte, Politik, Poetik. ­Der Kurs eignet sich insofern hervor­ragend als Erstkontakt mit frühneuzeitlicher Literatur und bietet einen Einstieg in die Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit.

 

 

 

Grundkurs Neuere deutsche Literaturwissenschaft

Mittwoch, 11–14 Uhr

Der Grundkurs „Neuere deutsche Literaturwissenschaft“ führt ein in zentrale Gegenstandsbereiche des Faches. An exemplarischen Texten von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart werden die vorgestellten Sachverhalte anschaulich gemacht; in der anschließenden gemeinsamen Erarbeitung bietet er StudienanfängerInnen die Gelegenheit, mündlich (und ggf. schriftlich) eigene Deutungsansätze zu entwickeln und das dazu erforderliche methodische Handwerkszeug zu erlernen: Textbeschreibung und -analyse, Formulieren literaturwissenschaftlicher Fragen und Argumente, poetologische, gattungs- und literaturgeschichtliche Einordnung literarischer Texte, Umgang mit Forschungsliteratur.

 

 

 


Sommersemester 2015


Poetik/Poesie. Zur Geschichte einer Differenz in der Frühen Neuzeit (Proseminar)

Freitag, 10–12 c.t., GBCF 04/358

Vom frühen 17. bis zum frühen 18. Jahrhundert erscheinen über 50 deutschsprachige Poetiken, teils dickleibige ‚Dichtungslehrbücher‘ – oder wie es in der Sprache der Zeit häufiger heißt: Dicht- und Reimkünste. Einer einfachen Sichtweise zufolge vermitteln sie in Lehrsätzen und Beispielen, wie ein ‚Gedicht‘ herzustellen ist, hätten – anachronistisch gesprochen – also durchaus etwas von Handwerkslehren oder Rezeptbüchern: Die Poetik schreibt vor, der Dichter führt aus. Im Proseminar wollen wir uns zunächst Klarheit darüber verschaffen, was eine Poetik ist, nach welchen Spielregeln diese für uns so fremd gewordene Textgattung funktioniert und auf welchen Voraussetzungen ihr Regelsystem beruht. In einem zweiten Schritt schauen wir uns dann an, wie theoretische Anweisung und dichterische Praxis (sofern man sie überhaupt als zwei klar getrennte Bereiche auffassen kann) interagieren: Zur Debatte stehen unter anderem die Rolle des Exempels innerhalb der Poetik, das Verhältnis zwischen ‚orthodoxer‘ Dichtungslehre und (möglicherweise abweichenden?) Poetiken in Vor- und Nachreden, die immanente Poetik frühneuzeitlicher Dichtung oder auch Poetiken, die selbst Dichtung sind.